Herbsttag

Langsam lasse ich mich in das warme Wasser sinken, die müden Füße stechen, die Kratzer auf den Händen und Unterarmen beginnen zu brennen. Noch sind meine Muskeln verkrampft.

Wie ich es gelernt habe, entspanne ich nach der Reihe ganz bewusst jede Muskelpartie, zuerst die Beine, dann die Arme, zum Schluss meine Schultern. Mein persönliches Mantra hilft mir, mich mehr und mehr auf meine Atmung zu konzentrieren, unterstützt vom Ticken des Weckers, der mich aus einem unbeabsichtigten Schlaf zurückholen soll (kann unangenehm enden, in der Badewanne einzunicken).
Dann spüre ich außer angenehmer Wärme nichts mehr – keine Berührungen, keinen Geruch, kein Geräusch; ich bin in tiefer Meditation versunken.

Das Läuten der Eieruhr holt mich zurück, ich fühle mich, als hätte ich 2-3 Stunden geschlafen, doch ich war nur 10 Minuten „weg“. Nicht nur mein Körper hat sich erholt, ich bin als Ganzes ruhig und entspannt. Nichts tut mehr weh, Verspannungen haben sich gelöst.

Ich bin zufrieden – der Gartentag war arbeitsreich und fordernd. Ja, im Herbst wird es für Gärtner noch einmal arbeitsintensiv, es gilt den Garten für seinen Winterschlaf vorzubereiten. Büsche und Hecken sind gestutzt, doch nicht zu viel, damit Vögel und Insekten ein Winterquartier haben und sich an Beeren gütlich tun können. Laub wurde nur von der Wiese entfernt, das restliche darf bleiben und ebenfalls Tieren beim Überwintern helfen. Die nun verwelkten Blumen sind geschnitten, ebenso die letzten Kräuter, noch ein paar späte Himbeeren sind geerntet.

Noch ist nicht alle Arbeit getan, macht aber nichts. Dann ist auch das entspannende Bad mit Meditation viel schöner, Essen und Wein schmecken besser – und irgendwie „verdienter“.

 

5 Gedanken zu „Herbsttag“

  1. Ich muss dir heute einmal zu deinem Schreibstil gratulieren! Der Text ist von geradezu literarischer Qualität! Man kann sich wunderbar in die Situation hineinversetzen – und man ist auch gleich entspannt nach der Lektüre!

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  2. So heiß war der Sommer, alle haben gestöhnt. Und da ist er auch schon wieder vorbei und man muss den Garten wieder für den Winter richten. Und dann kommt der Winter, da wirds kalt oder auch nicht. Auf jeden Fall gibt es wieder was zu jammern! Aber dann kommt der nächste Frühling und dann geht’s wieder los mit Gartenenarbeiten. Ich freue mich schon!

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