Einsamkeit zu zweit

Was für ein Glück, dass sehr viele Touristen offenbar einen sehr engen Zeitplan haben, von dem sie nicht abweichen wollen oder können. Und was für ein Glück, dass ebenfalls sehr viele nur das machen, was im Reiseführer steht und die Touristenpfade nicht verlassen wollen.

So kommt es, dass wir – als wir erst am Abend nach Hallstatt kommen – auf leere Parkplätze treffen, die Mehrheit der Besucher ist schon weg. Die wenigen Verbliebenen schätzen das Flanieren und Genießen genauso wie wir. Wir können ganz in Ruhe das Ambiente bewundern, die Aussicht auf den See auskosten und sich später das Essen direkt am See schmecken lassen. (Das selbe übrigens in Bad Ischl – ohne Menschenansammlungen spazieren wir durch den Ort und bekommen sogar problemlos einen Tisch in der berühmten Konditorei „Zauner“, direkt am Ufer der Traun.)

Am Tag danach erwarten uns Menschenschlangen bei der Seilbahn, es geht jedoch sehr rasch, schnell sind wir auf über 2.000 m. Und auch hier wieder Glück – die meisten anderen bleiben bei der Bergstation, klar, der Ausblick ist toll und warum soll man in sich die Anstrengung antun, und die Gegend erforschen.

Fasziniert betrachten wir die bleichen Gebeine rund um uns, die sich ohne Sonnenschutz der Sonne aussetzen. Die Füße in Sandalen, den einen oder anderen langen Rock mit zartem Blüschen darüber und in den Händen so manches Plastiksackerl vom Hofer, statt einem Rucksack am Rücken. Eh besser, wenn die hier im Lokal bleiben, sonst tun sie sich nur weh. Da bekommen sie zumindest halbwegs gewohntes Essen – Wiener Schnitzel mit Pommes und ein Cola.

Eine „mutige“ Frau will sich auf den Weg ins Ungewissene, weg von der Seilbahnstation, machen, wird aber sofort von ihrem deutlich übergewichtigen Mann zurückgepfiffen: „Ne, da lauf ich nich hin, da müsse ma ja auch wieder zurüch!“ Eltern geben ihren quengelnden Kindern nach, statt einer Wanderung gibt’s Eis am Stiel. Für alle sicherer.

Der Ausblick ist hier wirklich großartig, wir sind guter Laune, wissen, dass wir bald allein sein werden und machen uns mit großer Freude auf den Weg. Wir gehen einen Rundweg, der uns durch schöne Natur, tolle Karstformationen und gute Luft führt.

Wir treffen nur ein paar andere Wanderer, sonst sind wir wirklich allein und froh über die Einsamkeit zu zweit.

2 Gedanken zu „Einsamkeit zu zweit“

  1. Der Herdentrieb der Menschen, ihre Einfalls- und Antriebslosigkeit, der Mangel an Eigeninitiative kann ein großer Segen sein: So findet man noch einsame Wege, ruhige Plätze, tolle Erlebnisse. Ob in den Bergen, am Meer oder in Orten. Für die Minderheit, die sich das zu schätzen wissen.

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