Trübe Aussichten

Der Maßanzug und das ebenfalls maßgeschneiderte Hemd tun ihr Bestes, um seine Wampe zu kaschieren und ihn kultiviert erscheinen zu lassen. Es gelingt beides nicht – sie wurden maßgeschneidert, als er etliche Kilo leichter war; jetzt spannt das Hemd, zwischen den Knöpfen sieht man den nackten, behaarten Bauch. Das Sakko geht längst nicht mehr zu. Hauptsache, das Einstecktuch passt zu den Socken.

Und das Kultivierte geht spätestens dann verloren, wenn er sich immer wieder in den Schritt greift, öfter in der Nase bohrt, mit offenem Mund kaut und „hie und da“ komplett die Beherrschung verliert.

Aber er ist ein Alpha-Männchen, da kann man ruhig sein Revier markieren und mit stolzgeschwellter Brust über den Gang schreiten.

Gut, es fehlen ihm ein paar – eigentlich wichtige – Charaktereigenschaften wie Kommunikationsfähigkeit und Konfliktlösungskompetenz, aber er hat es geschafft! Denn das Wichtigste hat er: Selbstbewusstsein und das Talent sich in entscheidenden Momenten selbst zu inszenieren.

Macht ihn das sympathisch? Nein, aber Sympathie und Empathie sind auch nicht mehr gefragt, um Karriere zu machen und Menschen zu führen.

Es bleibt zu hoffen, dass eine alte Weisheit noch Gültigkeit hat:

Hochmut kommt vor dem Fall.

Die neuesten Studienergebnisse zum „Mythos Karriere“ findet ihr hier!

3 Gedanken zu „Trübe Aussichten“

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