Kaffeehausbesuch

Letztens hatte ich einen Tag Urlaub und somit Zeit dem Kaffeehaus einen längeren Besuch unter der Woche, wo man im traditionellen Wiener Kaffeehaus auch einen Platz bekommt, abzustatten.

Die Wiener Kaffeehäuser laden ja durchaus zum längeren Besuch ein, man bleibt dort nicht einfach auf einen Kaffee und hastet dann wieder davon.

Und mir ist das auch lieb und wert: ein Kaffee, an dem Tag eine Melange, dazu ein Kuchen (in dem Fall eine Himbeer-Royal-Schnitte), eine Tageszeitung (klassisch haptisch, also Papier), den Blick über die anderen Besucher schweifen lassen und sich zu ihnen Gedanken machen.

Zwei Frauen am Nebentisch, plaudernd und den neuesten Tratsch austauschend. Ein Tisch dahinter gleich 3 alte Damen, wahrscheinlich haben die Gatten bereits das Zeitliche gesegnet und sie haben endlich Zeit fürs Kaffeehaus. Schräg vis a vis ein Mann Mitte vierzig, typisch Top-Manager, der Unterlagen zwischen 2 Terminen nochmals durchgeht, das Smartphone griffbereit neben dem Espresso und die Freisprechanlage (nein, nicht die schnöden iPhone-Kopfhörer) im Ohr, man muss erreichbar sein.

Am Tisch hinter ihm eine Frau und ein Mann. Sie wirkt wie seine reiche, kunstbeflissene Tante, die gerne auf modern macht. Er fühlt sich im Anzug – das Hemd passt genauso wenig zum Sakko, wie dieses zur Hose – sichtlich unwohl und zieht unentwegt am Krawattenknoten (die nimmt er runter, kaum dass er draußen und die Tante weg ist).

Daneben eine Familie, eindeutig Touristen: sie haben alle einen Klassiker vor sich stehen. Sachertorte die Mama, Apfelstrudel mit Vanillesauce der Papa, ein paar Frankfurter der Sohn und die Tochter ein Stückchen Biskuitroulade. Papa macht wie besessen Fotos; Kaffeehaus innen, durchs Fenster nach draußen, die Familie, die Mehlspeisen. Ich bin sicher auch auf einem Foto.

Und so schweift mein Blick reihum, es ist alles da: Einheimische und Touristen, Gruppen, wie auch Frauen und Männer allein, alt und jung. Die Keller sind gar nicht die typischen Ober (also bisserl grantig und eigenwillig), sondern rasch und freundlich.

Alles ausgetrunken, aufgegessen, Zeitung ausgelesen, Menschen studiert, ins Leere gestarrt und einfach nur dort gewesen. Ganz klassisch, im Wiener Kaffeehaus.

2 Gedanken zu „Kaffeehausbesuch“

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