Dialekt für Anfänger

„Wüst an Köch!?“ – Diese Frage hat der Angesprochene nicht verstanden und hatte prompt einen. (Anm.: „Köch“ eigentlich „Kölch“, das „L“ ist aber stumm und wird nicht gesprochen.)
Zur Zeit der Krals-Ritter wurde man damit gefragt, ob man einen Kelch (das Gefäß) will, heutzutage ist das eher unwahrscheinlich. Viel eher muss man situationsabhängig entscheiden, ob man Kohl oder schlicht Schwierigkeiten haben möchte (die Körpersprache des Fragers hilft hier bei der Entscheidung).

Die Frage „Wüst a Happl?“ unterscheidet sich nur wenig von „Wüst ans übers Happl?“. Dennoch rate ich, genau hinzuhören: im ersten Fall wird einem ein Häupl (kein kausaler Zusammenhang mit dem amtierenden Wiener Bürgermeister) angetragen, also ein Salat- oder Krautkopf. Im zweiten Fall, ob man Schläge auf den Kopf will.

Es gibt schon Abhandlungen darüber, dass ein Euzerl keineswegs ein Teil eines Euz ist, und ich werde auf ganz schlimme sprachliche Auswüchse wie „die Eitrige“ nicht weiter eingehen. Ein bisschen geht aber noch…

Fragt man nach einer „Hüsn“ wird einem ein Schreibwarenverkäufer ein Etui überreichen, ein Forensiker die Hülse einer Patrone und ein Würstelstandbesitzer sicher ein… na, wisst ihr es?

Auch beim Verlangen eines „16er-Blechs“ bekommt man im Baumarkt sicher etwas anderes, wie beim oben bereits erwähnten Würstelstand. Denn dort ist das „16er-Blech“ eine spezielle „Hüsn“ (zu der übrigens sehr gut „eine Eitrige“ passt).

Ich freue mich, wenn mein Gewand trickert, wenn mich jemand trickert, nehme ich Reißaus. Denn mein Gewand soll ja trocknen, wieso man aber vom Trocknen spricht, wenn man gehauen wird – vielleicht weil man Wäsche durch Schlagen trockener bekommt.

Einige Ausdrücke gibt es als Hauptwort und als Verb, wie die Watschn und watschn. Die Watschn, den Schlag mit der flachen Hand ins Gesicht führt man aus, wenn man jemanden watscht.

Hätte der eingangs Erwähnte all das verstanden, hätte er unbehelligt in die Tramwei – also Bim – einsteigen können, so hatte er einen Wickel und deshalb dann einen Wickel *gg*.

Und zum Abschluss eine Aufgabe für Nicht-Österreicher, die Übersetzung und flüssige Aussprache des Satzes:

„Do dadiad a da.“

4 Gedanken zu „Dialekt für Anfänger“

  1. Es ist immer wieder faszinierend, was unsere Sprache so hergibt! Mein Beitrag aus OÖ: Nachm Staudenrauscher hatn a Woissn gheckt (fragt sich wohin *aua*)! De Goissn fliagt durch die Gliassn! – Viel Spaß beim Auflösen!

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